Link zum Wochenende

Distanz und Transparenz – Tindersticks „Blood and Bone“

29. Mai 2020
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Der Link zum Wochenende führt heute zu einem Song der britischen Band Tindersticks. Als ich “Blood and Bone” vor einiger Zeit in meiner Linkliste gespeichert habe, dachte ich vor allem über die beißenden Zeilen zum Thema Datafizierung und Datenschutz nach:

Is there anything worse than being transparent?
I’m data now
I’m data, data
I am data, only data

Without face, without shape, without soul
I am data, I am data, see me, study me
Use me, abuse me, destroy me, dissect me
Rebuild me, better, without face, without shape
Without shape, without soul, layer by layer (data, I am data)
I appear, the walls rapidly joining
Layer by layer, I see right through you
Is there anything worse than being transparent?

Denn während in der Akademie die Umsetzung der DSGVO bzw. des kirchlichen Äquivalents DSG-EKD aufwendig und nicht immer frustfrei, aber letztlich erfolgreich verlaufen ist, lassen das Verhalten der großen Social Media-Plattformen (s. auch den LZW am 15.05.2020 zum Thema Instagram) und die eigene Leichtsinnigkeit beim Wegklicken von immer neuen Datenschutzaktualisierungen bei Google und Co arge Zweifel zurück: Wer fühlt sich im Angesicht aufploppender, maßgeschneiderter Werbung im Browser oder des akkurat den eigenen Geschmack bedienenden Instagram-Feeds nicht durschaubar — oder eben transparent? Und wer einmal Einsicht in die bei Facebook oder Google gespeicherten Daten über sich selbst genommen hat, fühlt zumindest für einen kurzen Augenblick: I am data, only data.

Doch mittlerweile entwickelt der Ende Januar 2020 veröffentlichte Song mit seiner sägenden Gitarre eine weitere Bedeutungsebene, die in seinem Entstehungsprozess vor der Corona-Krise nicht intendiert gewesen sein konnte.

And then I thought I saw something
Somewhere far in the distance
At least two hours on foot
Some place where, perhaps, I might find something
Something important, once mine

A part of me, and then I thought,
“What if I could reach out, and get there
And bring it back?”

This way I am more like you
And you are more like her
And she is more like him

And he is more like us
And we are more like them, all of them

Wie viel treffender könnte eine Band die gegenläufigen Gefühle dieser Zeit bewusst beschreiben: die individuell erlebte Isolation und Ferne bei gleichzeitiger Gewissheit, dass alle anderen Ähnliches durchmachen. Und nach zwei Monaten von social distancing und Kontaktverbot scheint nicht nur der oder die Andere, das Gegenüber zu fehlen, sondern tatsächlich ein Teil von uns selbst. Bleibt man jedoch in der Datenlogik des Songs und sieht die Bilderfluten von Selfies, Erinnerungen und Erlebnissen bei Facebook oder Instagram vor dem inneren Auge vorbeiziehen, dann bietet Tindersticks-Sänger und -Songschreiber Stuart Staples mit diesen Zeilen auch einen Vorschlag an, was uns dazu motiviert, so freizügig mit unseren Daten umzugehen. Die Sehnsucht, sich selbst und andere in den unendlichen Weiten des Netzes zu finden, die das eigene Leben ein Stück vollkommener erscheinen lassen, lässt manche Bedenken schnell in den Hintergrund treten.

unsplash-logoNick Fewings

Doch — und das erfasst auf unheimliche Weise nicht nur manch dystopische Datensammelei, sondern nebenbei auch Sars-CoV-2, sobald man die Isolation verlässt — die Gefahr lauert potenziell hinter jeder Tür:

Can every door be opened? Is there really no shelter?

Mit dieser vergnüglichen Aussicht kann das Wochenende doch gut beginnen — mit gelockerten Corona-Vorsichtsmaßnahmen oder einer ausgedehnten Datenproduktionsreise durchs Netz.

Auch wenn „Blood and bone“ ein gelungener Song ist, klingen Tindersticks-Werke normalerweise etwas anders — allein schon weil nicht Gastsängerin Sidonie Osborne Staples singt, sondern ihr Vater Stuart Staples. Wer sich einen Eindruck verschaffen mag, dem sei fürs Wochenende der YouTube-Kanal der Band empfohlen und insbesondere die Songs „Rented Rooms“, „City Sickness“ und „Pinky in the Daylight“.

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