Link zum Wochenende

Social-Media-Utopien – Mehr Mut zum Träumen

10. Juli 2020

Damit hat Charlie Warzel vermutlich nicht gerechnet, als er einen zweizeiligen Tweet absetzte. Innerhalb weniger Tage erhielt der New York Times-Autor über eintausend Antworten und Kommentare auf seine weder kontroverse noch provokative Frage. Fast noch erstaunlicher war die Bandbreite und Qualität vieler Antworten. Offensichtlich hat Warzel einen Nerv getroffen – mit einem Aufruf, Social-Media-Utopien zu teilen:

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Kritische Beiträge zu sozialen Medien lassen sich im Tech-Journalismus, der politischen Bildung oder in wissenschaftlichen Diskussionen leicht finden. Doch konstruktive Vorschläge und Lösungsansätze werden eher selten formuliert, ganz zu schweigen natürlich von Social-Media-Utopien. Nun dürfen Kulturpessimist*innen an dieser Stelle gerne einwerfen, dass Utopien oder Visionen besserer Social-Media-Plattformen im globalen Kapitalismus vertane Liebesmüh sind. Schließlich bestimmt letztlich doch allein Geld, wie sich Produkte wie Facebook, Twitter oder Instagram entwickeln. Dem möchte ich einen der wichtigsten Utopie-Forscher der letzten Jahrzehnte gegenüberstellen.

I define the broad, general phenomenon of utopianism as social dreaming – the dreams and nightmares that concern the ways in which groups of people arrange their lives and which usually envision a radically different society than the one in which the dreamers live.

Lyman Tower Sargent, “The Three Faces of Utopianism Revisited.” Utopian Studies 5(1), S. 5.

Aus der radikal anderen Perspektive auf vermeintlich unumstößliche Gegebenheiten ziehen Utopien ihre narrative Kraft. Ihre meist viel zu hoch gesteckten Ziele verleihen bereits kleineren Entwicklungsschritten in die richtige Richtung eine zusätzliche Dimension: Wenn A schon funktioniert, dann erscheinen B, C und D plötzlich nicht mehr ganz so unrealistisch. Und gleichzeitig regen Utopien dazu an, über die eigenen Lebensumstände kritisch nachzudenken und – im Idealfall – sogar, selbst aktiv für eine Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse z. B. in sozialen Medien einzutreten.

Aber nun zurück zu den versprochenen Social-Media-Utopien. Wer sich gerne durch endlos lange Antwortlisten unter dem Original-Tweet von Charlie Warzel wühlen mag, ist dazu herzlich eingeladen. Für alle Freund*innen von Zusammenfassungen möchte ich als eigentlichen Link zum Wochenende jedoch eine wunderbare Übersicht und Kategorisierung der Antworten unter Warzels Tweet empfehlen. OneZero-Autor Will Oremus hat diese Arbeit auf sich genommen: What a Better Social Network Would Look Like.

Meine Lieblingsvorschlag in der Diskussion: Social Media zu Non-Profits umwandeln. Und wer danach noch nicht genug hat von Social-Media-Beiträgen, sollte unbedingt noch einen Blick auf die Link zum Wochenende-Ausgabe zu Instagram und Ästhetik werfen. Viel Vergnügen bei der Lektüre und ein schönes Wochenende!

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